Erhardt macht einfach Spaß

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Von Claudio Palmieri, 14. Mai 2013. www.morgenweb.de. Foto: © Jens Kalaene

Interview: Hans-Joachim Heist, vielen auch bekannt als Gernot Hassknecht, über Vorbilder, Trash-Comedy und Paraderollen.

Hat Hans-Joachim Heist als cholerischer Nachrichtenkommentator Gernot Hassknecht in der „heuteshow“ (ZDF) Kultstatus erlangt, schätzt ihn das Mannheimer Publikum schon seit 2002 als Regisseur am Oststadt-Theater. „Ich fühle mich als Kind dieser Region, spreche auch den Dialekt und bin hier geerdet“, betont der in Pfungstadt lebende Schauspieler. Am Freitag, 31. Mai, schlüpft Heist für sein Bühnenprogramm „Heinz Erhardt: Noch’n Gedicht“ im Mannheimer Oststadttheater in die Rolle jenes Mannes, den er als „Vater der modernen Comedy“ bezeichnet.

Herr Heist, Heinz Erhardt ein Programm zu widmen, ist ohne eine gewisse Bewunderung für seine Kunst nicht möglich, oder?

Hans-Joachim Heist: Das ist richtig. Ich bin seit meiner Kindheit ein großer Verehrer von Heinz Erhardt. Im Bücherschrank meiner Eltern habe ich einmal das „Große Heinz Erhardt Buch“ entdeckt. Seitdem bin ich ein Fan geblieben und mit ihm aufgewachsen. Ich liebe seine Wortdreher, seine Gedichte und sein Spiel mit der deutschen Sprache. Er war ein wunderbarer Komiker, der auch hervorragend Pointen setzen konnte und dafür ein tolles Timing hatte. Außerdem ging er nie unter die Gürtellinie.

Das ist ja heute, in Zeiten massiger TV-Comedy-Angebote, mitnichten so. Stört Sie das?

Heist: Ich glaube, dass das der heutigen Zeit geschuldet ist. Wer mit Trash-Format aufwächst, braucht das vielleicht. Ich persönlich brauche das nicht und finde es schade, wenn man nur noch einen Gag applaudiert bekommt, der unter die Gürtellinie geht. Natürlich gibt es aber auch heute viele Comedians und Kabarettisten, die hervorragende Programme machen.

Vor diesem Hintergrund: Finden Sie, dass Heinz Erhardt ein zeitloser Künstler ist?

Heist: Absolut. Er ist Kult, er macht einfach Spaß. Es gibt 20-Jährige, die heute noch Heinz Erhardt-Fanclubs gründen. Bei meinen Veranstaltungen sind durch die Bank vom 16- bis zum 70-Jährigen alle Altersklassen vertreten. Natürlich sind auch sehr viele eingesessene Fans dabei. Viele sprechen auch die Gedichte mit – leise vor sich hin oder auch etwas lauter. Anfangs hat mich das irritiert, mittlerweile nehme ich das als sehr angenehm wahr.

Was war Ihr Anlass für diese Rolle?

Heist: Das hat sich langsam entwickelt. Im festen Engagement als Schauspieler habe ich Programme angenommen, bei denen man auch Gedichte rezitiert. Das waren unter anderem Abende mit Erich Kästner, Ringelnatz und Heinz Erhardt. Dabei habe ich gemerkt, dass Erhardt ein Humorist ist, der mir sehr liegt.

Sehen Sie in Erhardt einen Vorreiter für modernes Kabarett oder für Formen wie Poetry Slam?

Heist: Otto Waalkes sagt, dass Heinz Erhardt ihn ganz stark inspiriert habe. Ich denke, er ist wirklich der Vater der modernen Comedy. Erhardt
hat ja auch sehr viele poetische und anrührende Gedichte geschrieben und war nicht nur ein Spaßvogel.

Wollen Sie ihn imitieren?

Heist: Ich imitiere ihn nicht, sondern stelle ihn dar. Wenn ich auf der Bühne seine Haltung einnehme, die Brille aufsetze und in seinem Duktus spreche, dann bin ich Heinz Erhardt.

Wie viel Hans-Joachim Heist steckt dann noch in dieser Rolle – und gibt es die eine Paraderolle für einen Schauspieler?

Heist: In jeder Rolle, die ich spiele, steckt auch immer ein bisschen von mir. Es gibt auch Rollen, die spielt man mehr oder weniger gern – und Rollen, bei denen dir die Leute sagen, sie sei dir auf den Leib geschrieben. Wenn dir die Leute das sagen, hast du alles richtig gemacht. Was Heinz Erhardt betrifft: Die Natur hat mich in dieser Richtung mit dem spärlichen Haarwuchs und dem runden Gesicht natürlich auch etwas bevorteilt.

Neben der Erhardt-Rolle sind Sie aktuell ja vor allem als Gernot Hassknecht in der „heute-show“ bekannt. In welcher Rolle fühlen Sie sich wohler?

Heist: Die Rollen sind völlig unterschiedlich, ich finde aber beide toll. Heinz Erhardt spiele ich jetzt schon seit 15 Jahren, Gernot Hassknecht erst seit vier. Ich könnte aber nicht behaupten, dass ich mich in der einen Rolle wohler fühle als in der anderen.

Nun kennen Sie vielleicht mehr Leute als Gernot Hassknecht denn als Hans-Joachim Heist. Ist das ein Problem?

Heist: Die Fernsehrolle als Gernot Hassknecht hat mich bundesweit populär gemacht. Das stört mich nicht, im Gegenteil. Ich finde es nicht schlimm, wenn mich die Leute so rufen. Dann weiß ich wenigstens, dass sie die Sendung schauen.

Hans-Joachim Heist

  • Am 22. September sind Bundestagswahlen, eine Woche vorher feiert Hans-Joachim Heist mit dem Programm, Das Hassknecht-Prinzip – in zwölf Schritten zum Choleriker in Frankfurt Premiere. Ein Zufall? „Ja! Da besteht kein Zusammenhang“, merkt der 1949 im südhessischen Seeheim- Jugenheim geborene Heist an.
  • Der gelernte Installateur studierte Anfang der 80er Jahre Schauspiel in Wiesbaden. Neben Bühnenprogrammen („Der Kontrabass“, „Die Sternstunde des Josef Bieder“) wirkte Heist in über 70 Film- und Fernsehproduktionen („Diese Drombuschs“, „SOKO Köln“) mit.
  • 1999 erhielt Heist für die Rolle des Butler James in „Dinner for one“ den Fachmedienpreis in der Sparte „Comedy“. Als „heute-show“-Darsteller gewann er unter anderem viermal den „Deutschen Comedypreis“ (2009 bis 2012), den Deutschen Filmpreis und den Grimme-Preis (beide 2010).
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